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“Der Chinesische Traum: Nachahmung oder grundlegende Alternative?” The Huffington Post DE

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“Der Chinesische Traum: Nachahmung oder grundlegende Alternative?”

01/02/2017

Emanuel Pastreich

Als ich kürzlich in Nanjing eintraf um an einer Konferenz teilzunehmen, fragte ich den Studenten, der mir als Wegführer zugewiesen war, ob er mich zu dem berühmten konfuzianischen Tempel Fuzimiao in der Altstadt bringen könnte. Es war mein erster Besuch in der Stadt Nanjing, und ich wollte deren Seitengassen erkunden und vielleicht in einem traditionellen Teehaus halt machen.

Als ich kürzlich in Nanjing eintraf um an einer Konferenz teilzunehmen, fragte ich den Studenten, der mir als Wegführer zugewiesen war, ob er mich zu dem berühmten konfuzianischen Tempel Fuzimiao in der Altstadt bringen könnte. Es war mein erster Besuch in der Stadt Nanjing, und ich wollte deren Seitengassen erkunden und vielleicht in einem traditionellen Teehaus halt machen.

Ich kannte Nanjing – oder ‘Jinling’, als das es in der Zeit vor der Ming-Dynastie bekannt war – obwohl ich es zuvor nie besucht hatte. Ich hatte viele Gedichte gelesen, die in Bezug zu Nanjing stehen, als ich an den Universitäten von Tokio und Harvard chinesische Literatur studiert hatte. Die Landschaft des Qinghuai Flusses war mir aus Sammelbänden des 17. Jahrhunderts vertraut, und ich hatte mir die ausladenden Herrenhäuser Nanjings im 18. Jahrhundert vorgestellt, als ich im College den Roman “Der Traum der Roten Kammer” gelesen hatte.

Aber meine Suche nach Spuren des alten ‘Jingling’ in den ungebändigten Straßen des zeitgenössischen Nanjing war erfolglos. Alle traditionellen Gebäude um den Fuzimiao-Tempel waren abgerissen worden und ersetzt durch fade Betonbauten, in denen Schnellrestaurants und T-Shirt-Läden untergebracht waren. Obwohl einige Geschäfte ausgezeichnete Tees anboten, unterschieden sich die Speisen und die angebotene Kleidung kaum von dem, was man in Bangkok oder dementsprechend auch in Los Angeles finden kann. Nichts war in Nanjing hergestellt worden. Die Stadt hatte ihre Gemeinschaft an Kunstgewerblern und Handwerkern verloren, ganz zu schweigen von ihren Dichtern und Schriftstellern.

Das Innere des Fuzimiao Tempels fühlte sich nicht authentisch an. Die Wände waren aus purem Beton geformt, nicht aus Stein oder Mauerputz. Das Gebälk war von rauen Händen geschnitzt worden, und die Ecken, in denen der Fußboden auf die Wände trifft, waren nur unpfleglich fertiggestellt worden. Das Mobiliar war dürftig gefertigt worden und die an den Wänden aufgehängte Kalligrafie war mittelmäßig.

Ich stieß an diesem Nachmittag in Nanjing nicht auf große Historie, nichts wie die Relikte einer inspirierenden Vergangenheit wie man sie im Notre Dame in Paris oder um den Tdaiji -Tempel in Nara herum finden kann. Ich hatte aus einigen Darlegungen, die ich gelesen hatte, den Eindruck gewonnen, dass Nanjings Vergangenheit etwas sei, mit dem sich Chinesen obligatorisch beschäftigen müssten. Aber wenig von dieser alten Zivilisation hat in der Gegenwart Relevanz.

Mein studentischer Wegführer war bei der Suche nach einem traditionellen Teehaus sehr behilflich, doch ich ging fort mit einem tiefen Gefühl der Traurigkeit, da so viel des traditionellen Chinas verloren gegangen war – nicht so sehr wegen Mao Zedongs Kulturrevolution, sondern durch das Entstehen einer rücksichtslosen Konsumkultur. Diese Traurigkeit war nach ihrem Wesen ganz sicher nicht sentimental.

Die wahre Tragödie besteht darin, dass China einst der Welt das am weitesten entwickelte System zur Unterstützung einer komplexen Bürokratie und einer großen Bevölkerung bot – und dies vollständig auf der Grundlage nachhaltiger organischer Landwirtschaft. Als der amerikanische Agrarwissenschaftlicher Franklin Hiram King das Buch “4000 Jahre Landbau in China, Korea und Japan”(“Farmers of Forty Centuries, or Permanent Agriculture in China, Korea, and Japan“) im Jahr 1911 geschrieben hatte, argumentierte er, dass Ostasien ein Modell für eine wahrhaftig nachhaltige Landwirtschaft bieten würde, welches die USA so bald wie möglich ebenso einführen sollten. Tragischerweise hat stattdessen China den tödlichen amerikanischen Mix aus Kunstdünger und Pestiziden importiert, der nichts Nachhaltiges bietet. Die chinesische Weisheit der Landwirtschaft ist den jungen Menschen genau in dem Moment verloren gegangen, als sie am dringendsten benötigt wird.

So haben auch die chinesischen Traditionen der Bescheidenheit und Genügsamkeit, des Respekts vor dem Alter und der persönlichen Demut eine enorme Zugkraft als Alternative zu einer rücksichtslosen Konsumgesellschaft. Aber wenn Sie nach China reisen um nach diesen Werten Ausschau zu halten, dann werden Sie enttäuscht werden.

Die westlichen Träume von China

Viele Menschen aus dem westlichen Kulturkreis suchen in China eine Alternative zu der tiefen Maläse, welche die westliche Kultur infiziert hat. Es war ein ähnlicher Impuls, der mich dazu inspiriert hatte chinesische Literatur zu studieren: eine Desillusionierung von Materialismus und Militarismus, welche langsam die Institutionen der Vereinigten Staaten zerfraßen. Konfuzianismus, Buddhismus und Taoismus bieten Amerikanern eine Alternative zu einer Gesellschaft, in der alle Handlungen des Individuums in Geldwert umgerechnet werden.

Ich war als Student von China wegen des von ihm ausgegehden Appels an die Genügsamkeit und seines Bekenntnisses zur Einheit von Lernen und ethischem Handeln inspiriert. Viele der großen konfuzianischen Gelehrten machten es sich zur Gewohnheit nur das zu essen, was sie brauchten und von Luxus Abstand zu nehmen. Selbst gut situierte Chinesen vermieden Verschwendung und Prahlerei und betrachteten Literatur und Philosophie als höchste Güter. China verkörperte eine der Beschaulichkeit verschriebene Zivilisation, in der Dörfer eine umsichtige Eintracht mit der Natur behielten, die für Jahrhunderte deren Überleben sicherstellte.

Aber wenn ich heute China besuche, dann finde ich dieselbe blinde Verehrung falscher Götter, die ich in den Vereinigten Staaten hinter mir lassen wollte. Ich bin bestürzt ob der sinnlosen Verschwendung von Nahrungsmitteln in chinesischen Restaurants und über die impulsive, überflüssige Anschaffung unnötiger Produkte und Accessoires durch einen Teil der Chinesen. Ein solches Handeln wäre von den Chinesen vor 100 Jahren als schandhaft betrachtet worden – und solcher Konsum ist auch heute schandhaft im Zeitalter des radikalen Klimawandels. Heute werfen die meisten jungen Chinesen Plastikflaschen und Plastiktüten gedankenlos weg, genauso wie ihre gleichalten Zeitgenossen in Amerika.

Äußerst tragisch ist es, dass chinesische Bürokraten wirtschaftlichen Erfolg ebenso an denselben schiefen ökonomischen Theorien und Fetischismen messen, die dem Westen großen Schaden zugefügt haben. Chinesen werden in schicke Kaufhäuser gelockt, die voll von Einwegartikeln sind, und sie halten glitzernde Kampfflugzeuge für Symbole nationaler Größe. Ich bin empfindsam gegenüber dieser Veränderung, weil ich als Amerikaner gesehen habe, wie mein eigenes Land vom Weg abgekommen ist und wie dessen Bewohner, auf der Suche nach Schutz vor der rauer werdenden Realität, in die Fantasiewelt des Konsums flüchten.

Amerika hat elendig dabei versagt der Welt ein ethisches Modell zu bieten. Mein Land hat sich während der vergangenen 20 Jahre nicht nur an einer Serie von illegalen Kriegen beteiligt; die Amerikaner sind derart narzisstisch geworden, dass sie keine Bemühungen unternehmen um für die Welt höhere Standards in Fragen der Umweltpolitik aufzustellen, oder im Interesse derer, die nicht über die Vorzüge von Reichtum verfügen.

Währenddessen gibt China weltweit den Schritt für Entwicklungsländer vor. Die Nationen Afrikas und Asiens wenden sich an China als Modell erfolgreicher Entwicklung um diesem zu folgen und erhalten dabei zunehmend Hilfsgelder aus Peking. China hat eine Wirkung auf die Welt wie kein anderes Land, da jeder fünfte Erdbewohnern in China lebt. Chinas Kultur beeinflusst direkt Nationen in Afrika und Südamerika, und viele der Entwicklungsnationen balgen sich darum Chinesisch zu lernen.

China hat die enorme Weisheit und Tiefe seiner Kultur, eine lange Tradition nachhaltiger Landwirtschaft und des intellektuellen Strebens nach Bescheidenheit, welche eine Alternative für Entwicklung bieten können. China bietet aber derzeit keine fundamentale Alternative zum Konsum-basierten U.S.-Modell.

Der Chinesische Traum

Viele Chinesen wünschen sich ein starkes China, das für seine eigenen Interessen einstehen kann und für immer die Erniedrigungen hinter sich lassen kann, an denen es nach den Opium-Kriegen (1839-1842; 1856-1860) litt. Der Wunsch aufseiten der Chinesen nach dem Aufbau nationaler Stärke um fremden Mächten standzuhalten ist verständlich. Unglücklicherweise imitiert die Behauptung nationaler Macht oft die Gestalt der Verlockungen jener nationalen Macht, wie sie von den Vereingten Staaten vielgeliebt ist, wie zum Beispiel das Herstellen von Flugzeugträgern und Panzern statt eines Bekenntnisses zur Begegnung realer Sicherheitsbedrohungen wie dem Klimawandel.

Die Debatte in China war diejenige, ob China sich weiterhin den Neoliberalismus zu eigen machen sollte, oder ob es seine Maoistischen Traditionen wiederbeleben sollte. Die Rückkehr zu traditionellen Betrachtungsweisen der Ökonomie, der Ökologie und des Gemeinwesens wurden als dritter Weg nicht berücksichtigt. Präsident Xi Jinping stellte den “Chinesischen Traum” in den Mittelpunkt der Debatte darüber, wie weit die chinesische Globalisierung getragen werden sollte.

Xi benutzte den Begriff “Chinesischer Traum” (Zhongguomeng) im November 2012 im Anschluss an den 18. Nationalkongress der Kommunistischen Partei Chinas und prognostizierte eine “Erneuerung Chinas”, welche die Form eines “Traums der gesamten Nation, sowie jedes Einzelnen” annehmen würde. Obwohl dieser Traum als eine spirituelle Herausforderung der Bürger präsentiert wurde, die zusammen an einem besseren Land arbeiten, und an einer besseren Welt, so bedeutet für viele Chinesen der “Chinesische Traum” schlicht ein reiches China, randvoll mit großen Autos, langen Schnellstraßen, emporschnellenden Wolkenkratzern und mit von Konsumgütern überfüllten Geschäften. Der Traum von dem Tag, an dem sie in teuren Restaurants essen gehen können und so viel bestellen können, dass sie gut und gern einen Pulk davon zurücklassen können. Viele Chinesen betrachten das westliche “gute Leben” als Fortschritt, selbst wenn wir alle die Zeichen von dessen drohendem Untergang wahrnehmen.

Wir sollten das traditionelle China nicht glorifizieren, beispielsweise in Anbetracht der Rigidität konfuzianischer Lehren in der späten imperialen Periode oder der ernsthaften Einschränkungen gegenüber den Handlungsmöglichkeiten von Frauen. Gleichzeitig sollten Chinesen ihre Vergangenheit nicht als etwas sehen, das überwunden werden muss, sondern als eine Inspiration für die Zukunft. Die chinesische Kultur nahm an, dass Schüler, von der Kindheit an, an das Lesen von Dichtkunst herangeführt werden sollten und Ethik und Philosophie studieren sollten, statt nur Betriebswirtschaftslehre und Vermarktung. Von Intellektuellen wurde erwartet, dass sie ihren Verpflichtungen gegenüber der Gesellschaft und gegenüber einer verantwortungsbewussten Regierungsführung einhalten würden. Und von Regierungsoffiziellen wurde erwartet, dass sie solche Intellektuelle waren, die zuvörderst die Geisteswissenschaften schätzen würden. Was wir brauchen ist etwas, das sich näher an dem befindet, was Ernst Friedrich Schumacher (1911-1977) in seinem Buch Die Rückkehr zum menschlichen Maß (Originalausgabe: Small is Beautiful. A Study of Economics as if People Mattered) als den “Mittelweg” zwischen “materialistischer Achtlosigkeit” und “traditioneller Unbeweglichkeit” bezeichnete.

China wuchs ökonomisch nicht dadurch, dass es die Völker der Welt und deren natürliche Rohstoffe ausgebeutet hätte, in der Art, wie es die Europäer und Amerikaner taten, und noch immer tun. Vielleicht können wir uns in der Zukunft eine Welt vorstellen, in der China, anstatt dem Club der raubgierigen Globalisten beizutreten, zu seinen ursprünglichen Wurzeln einer nachhaltigen Ökonomie zurückkehrt, welche die Geisteswissenschaften und die Weisheit vor allem anderen würdigt und dies als neuen “Chinesischen Traum” deutet, für alle Chinesen genauso wie für die Entwicklungsländer.

Die Chinesen müssen in ihren Traum das Blickfeld einer langfristigen ökonomischen und ökologischen Gerechtigkeit einfließen lassen – Werte, welche in vielerlei Hinsicht das Herz der konfuzianischen und taoistischen Tradition formen. China sollte aus seiner Tradition der Ökologie und der politischen Ethik schöpfen, als Grundlage für eine neue Weltsicht, die Alternativen zur Metrik von “ökonomischem Wachstum” und “Konsumenten-Indizes” bietet. China hat die philosophischen Grundlagen – die Ästhetik – die nötig ist um solche intellektuellen Institutionen aufzubauen. Chinesen in der Ming- und Qing-Dynastie waren vollständig dazu in der Lage, Jahrhunderte umspannende Bewässerungspläne zu entwerfen und umzusetzen.

Vielleicht wird das Wiederentdecken traditioneller chinesischer Konzepte der nachhaltigen Landwirtschaft als notwendiger Stimulus dienen um eine “Synthese zu schaffen, die Ökonomie und Umweltschutz auf eine Weise zusammenschweißen kann, die beide Wissenszweige grundsätzlich reorientiert”, wie John Feffer es in seinem Artikel “The New Marx” schreibt. Die Frage ist, ob die Chinesen bereit dafür sind um den Schatz anzuerkennen, den sie bereits in ihren Händen halten.

Ob China darauf vorbereitet ist eine führende Rolle in der Welt zu spielen, ist irrelevant. China wurde bedingt durch die Umstände auf das Podium gestoßen, ob bereit oder nicht. Der tiefe Verfall der amerikanischen Kultur während der vergangenen drei Jahrzehnte, zusammen mit der auffälligen Unverantwortlichkeit der amerikanischen Intellektuellen, hat die Vereinigten Staaten in internationale und inländische Probleme verwickelt, die sie von einer solchen zentralen Rolle innerhalb der internationalen Gemeinschaft abhalten werden, egal, was die amerikanischen Medien sagen mögen.

China ist das einzige Land, das die finanzielle Stärke hat, die wissenschaftliche Sachkenntnis, die Größenordnung und die Tiefe seiner Institutionen und seiner Kultur um eine solche globale Rolle zu spielen. Umsomehr, als dass China in Asien ein Hegemon war, aber nicht in einem kolonialen Sinne wie England, Frankreich, Spanien oder Deutschland es waren. Es gibt eine Chance, dass China weltweit für gleiche Wettbewerbsbedingungen sorgen wird. Aber dieser letzte Punkt ist weit davon entfernt als sicher zu gelten. Die entscheidende Frage ist, ob China die Kreativität und die moralische Autorität hat um von dem Reiz von Reichtum und Macht Abstand zu nehmen und kritisch beurteilt, inwiefern seine traditionelle Kultur eine gangbare Alternative sowohl für China als auch für die Welt ermöglichen kann.

Die Mehrheit der Chinesen hat den Umstand noch nicht begriffen, dass es jetzt Chinas Verantwortung ist, und dies nicht nur als günstige Gelegenheit, um für den Rechtsgrundsatz einzutreten und für eine bessere, nachhaltige Zukunft weltweit. Einige Länder entscheiden sich dazu Alternativen anzubieten, und einigen Länder ist diese Verantwortung auferlegt. China findet sich dabei in der letzteren Position, und die Welt erwartet Chinas Entscheidung.

Die Zukunft der “Neuen Seidenstraße” (“One Belt, One Road”, „Yidai, Yilu”)

Genau in dem Moment, in dem China dazu aufgerufen ist eine zentrale Rolle in der Weltwirtschaft einzunehmen, hat das Land sein Projekt der „Neuen Seidenstraße” ins Leben gerufen. China hat Nationen aus der ganzen Welt dazu eingeladen an diesem Projekt teilzuhaben um Integration und Zusammenarbeit zwischen den Nationen Eurasiens zu fördern.

Der Fokus der „Neuen Seidenstraße” liegt bisher auf den Bereichen der Infrastruktur und der Ressourcenentwicklung. Diese Projekte können bisweilen brauchbar sein um eine nachhaltige Zukunft zu entwickeln, doch in vielen Fällen sind sie das nicht. Der Schwerpunkt wurde auf die Erhöhung des Öl-, Gas- und anderen Rohstoffflusses nach China gelegt, um weiteres Wachstum und Investitionen zu fördern. Die Asiatische Infrastrukturinvestmentbank (AIIB), der Neue Seidenstraßen Fonds (NSRF), die Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SCO), der Seidenstraßen Goldfonds und der Bergbau-Industrie-Entwicklungsfonds haben wenig mit der Erhaltung der Umwelt zu tun. Dieser Impetus zum Konsum als nationale Stärke verspricht nichts Gutes, da der chinesische Verbrauch von Nahrungsmitteln und Treibstoffen einen immensen Einfluss auf die ganze Welt hat, wie es Lester Brown in seinem Buch „Who will Feed China?” aufgezeigt hat. Dennoch, das Projekt befindet sich noch am seinem Anfang und China könnte dieses Projekt dazu nutzen um neue Institutionen, neue ordnungspolitische Wege und neue Umgangsformen zu begründen, welche die Welt in eine richtigere Richtung geleiten.

Die „Neue Seidenstraße” ist aus zwei Gründen eine beispiellose Gelegenheit. Sie ist eine Gelegenheit um eine neue internationale Gemeinschaft zu begründen, welche unmittelbar den Vorschriften der Charta der Vereinten Nationen folgt, einer Tradition, die in Europa und in den Vereinigten Staaten in Vergessenheit geraten ist. Aber sie bietet uns auch die Möglichkeit, Institutionen für globale Regierungsorganisation zu schaffen, die einer dicht integrierten Welt angemessen sind und nicht wie die Weltbank dominiert sind von privaten Aktienfonds (private equity funds) und multinationalen Konzernen.

Das Projekt der “Neuen Seidenstraße” benötigt weltweite Zusammenarbeit und kann nicht von China diktiert werden. Dieser Umstand bietet auch die seltene Möglichkeit neue Instutionen des Konsenses zu gründen, die nicht von Supermächten dominiert werden. Aber dieses Potenzial kann nur umgesetzt werden, wenn andere Nationen dieses Projekt als Plan für die Menschheit ernst nehmen, und nicht bloß als Möglichkeit um Geld zu verdienen.

China sollte auch tiefer über die gemeinsame Bezeichnung für das Projekt der “Neuen Seidenstraße” nachdenken. Der Begriff “Seidenstraße” geht zurück auf die Zeit des Überlandhandels zwischen China und dem übrigen Eurasien während der Tang-Dynastie, über Handelszentren wie Samarkand und Andijon und über den Seeweg, der China und Indien, Persien und Afrika verbindet. Aber das Wesen der Seidenstraße bestand nicht nur aus Geld und Handel. Die Seidenstraße verweist auch auf den tiefen kulturellen Austausch zwischen China, Zentralasien, Indien und Persien, der in der Zeit der Tang-Dynastie das Erblühen der buddhistischen Philosophie mit sich brachte, die exquisiten Wandmalereien der Dunhuang-Höhlen, das zierliche Porzellan und die Skulptur von Changan, und die lyrische Poesie von Li Bai und Du Fu, welche die Weichen für die gesamte folgende chinesische Literaturgeschichte stellte.

Vermag diese neue Seidenstraße den ausgetretenen Pfad ökonomischer Entwicklung westlicher Manier zu meiden und ihren Blick auf das Streben nach den höchsten Stufen kultureller Ausdrucksform zu richten? Oder könnte sie mehr Gewicht auf ökologische Landwirtschaft legen, anstelle des Baus dutzender neuer Flughäfen? Könnten gemeinsame Projekte zur Verbesserung der Gewinnung nachhaltiger Energie, den Abbau von Erdöl und Metallen ablösen?

Momentan gibt es wenige Indikatoren für eine solche Veränderung. Aber China hat solche radikalen Transformationen in der Vergangenheit dargeboten. China trägt die Lösung in seiner Vergangenheit, obwohl sich viele Chinesen dessen nicht bewusst sind. Vielleicht unterbreitet Chinas Vergangenheit die letzte Gelegenheit für unsere gemarterte Welt.

“Der Gipfel von Hanoi und das Wettrüsten” TELEPOLIS

TELEPOLIS

“Der Gipfel von Hanoi und das Wettrüsten”

28. März 2019 

Emanuel Pastreich

Donald Trump will ein Wirtschaftswunder für globale Investoren, nicht für Nordkoreaner – Ein Gastkommentar

Die plötzliche Absage der gemeinsamen Erklärung am 28. Februar am Ende des Trump-Kim-Gipfels in Hanoi, Vietnam, erlebte ich als eines der komplexesten und widersprüchlichsten historischen Ereignisse, an das ich mich erinnere. Natürlich war die improvisierte kurze Zusammenfassung von Donald Trump und Mike Pompeo unmittelbar nach dem Gipfeltreffen in keiner Weise vielschichtig. Es war eine banale Schau für die Medien, die es vermieden hatten, über all das zu reden, was über den bloßen Ablauf des Gipfels hinausgegangen wäre.

Trump sprach über seine “starke Beziehung” zu Kim Jong-un, Shinzo Abe, Xi Jinping und Moon Jae-in, und klang dabei wie ein Spätvorstellungskomiker, der versucht, Inhalte zu finden, um ein plötzliches aufgetauchtes Loch im Programm zu schließen.

Aber die positiven Sätze, die Trump herausbrachte, konnten nicht jeden von der an Fahrt aufnehmenden weltweiten Katastrophe ablenken. Trumps schmeichelhafte Worte über seine “produktive Zeit” mit dem Vorsitzenden Kim taugten nicht als Feigenblatt, um die von allen Seiten zunehmende Kriegsgefahr zu vertuschen.

Lass uns ehrlich sein: Nordkorea ist keine überwältigende Bedrohung für den Weltfrieden, sondern eher eine Insel der relativen Stabilität in dem Staub, der aufgewühlt wird, während die globale Ordnung, die im Jahr 1951 auf der Konferenz von San Francisco begründet wurde, zusammenbricht. Die Tatsache, dass Nordkorea ein geschlossener und repressiver Staat ist, versetzt ihn in eine “gute” Gesellschaft zusammen mit anderen Staaten der Gegenwart.

Aber die Vereinigten Staaten, denen nunmehr die gesamte Regierungsexpertise verlustig gegangen ist, die radikale Privatisierung der Themen- und Politikanalyse sowie die von einer extremen Konzentration des Reichtums geplagte Kultur, geraten zusammen in ein Gemisch aus Isolationismus und Militarismus, das fast alles möglich macht.

Diese strukturelle Transformation war – mehr noch als der Widerstand der US-Opposition gegen den Abbau der Sanktionen gegen Nordkorea oder die schäbige Aussage von Trumps Anwalt Michael Cohen – der Grund dafür, dass die Hanoi-Show nichts Substanzielles hervorbrachte.

Aber die Welt steht nicht still für einen Trump. Indien und Pakistan, zwei Atommächte, stehen am Rande eines Krieges, nicht zuletzt aufgrund der ungehobelten geopolitischen Spiele der Vereinigten Staaten, um den chinesischen Einfluss zu begrenzen. Das US-Militär operiert nach wie vor straffrei in Zentralasien, im Nahen Osten und in Afrika, und auch der neue US-Kongress scheint nicht in der Lage oder willens zu sein, dies einzudämmen.

Südamerika wurde durch die Amtseinführung der rechtsextremen Regierung in Brasilien unter Jair Bolsonaro in ein Chaos gestürzt, das nicht nur mit Gewalt als bevorzugtem Mittel zur Lösung politischer Probleme droht, sondern auch einem rücksichtslosen anti-intellektuellen Drang nach kurzfristigem Profit Vorschub leistet und mit Plänen zur exzessiven Rodung des Amazonaswaldes auf das Aussterben der Menschheit hinarbeitet.

Zur gleichen Zeit leisten die neokonservativen Zwillinge Elliot Abrams und John Bolton Überstunden, um den Regimewechsel in Venezuela voranzutreiben. Sie wollen die Regierung von Nicolás Maduro stürzen und die Kontrolle über das venezolanische Öl an multinationale Konzerne übergeben. In einem grotesken Schachzug veröffentlichte der rechte Senator Marco Rubio Fotos des ermordeten libyschen Führers Muammar Gaddafi auf seinem Twitter-Account auf und schlug vor, dass Maduro auf ähnliche Weise gefoltert und ermordet werden solle, weil er sich den Vereinigten Staaten widersetzt.

Ein Großteil des Bestrebens, Bodenschätze und Rohstoffquellen an sich zu reißen, wird von den Öl- und Kohlenbaronen der Brüder Charles und Andy Koch angeführt. Beide haben einen großen Einfluss in dem Bestreben, ihre Krallen in die Kohle-, Gold- und andere Rohstoffvorkommen in Nordkorea zu schlagen. Rohstoffe, die angesichts der ökologischen Gegenwartssituation am besten unter der Erdoberfläche gelassen werden würden.

Das heißt, der Gipfel mit Kim Jong-un kann nicht verstanden werden, wenn man nicht weiß, dass das von Trump beschriebene Wirtschaftswunder tatsächlich ein Wirtschaftswunder für globale Investoren ist, nicht für Nordkoreaner. Das Engagement in Nordkorea kann nicht von dem feindlicheren Auftreten gegenüber Iran und Venezuela getrennt werden.

Hinter Kims Lächeln beim Bankett verbarg sich pure Angst

Doch das ist nur die halbe Geschichte. Der Druck von John Bolton zum Rückzug der Vereinigten Staaten aus dem INF-Vertrag (Intermediate Range Nuclear Forces-Treaty) hat uns auf den Weg zu einem großen Wettrüsten geführt, das weitaus gefährlicher sein wird als das, was in den 1950er Jahren geschehen ist. Die Technologie ist viel weiter fortgeschritten. Dieser Wahnsinn, kombiniert mit dem einseitigen Bruch des Atomabkommens mit dem Iran, garantiert ein massives Wettrüsten zwischen Deutschland, Russland, China, den Vereinigten Staaten, der Türkei, Japan, Indien und dem Iran, das möglicherweise im Weltkrieg endet. Alle diese Länder haben wahrscheinlich in nicht allzu ferner Zukunft Atomwaffen.

Wir können sicher sein, dass Kim Jong-un und seine Berater sich des wachsenden Chaos bewusst sind. Hinter Kims Lächeln beim Bankett verbarg sich pure Angst. Der Gipfel war erfolgreich, weil beide Seiten bereit waren, eine tiefgehende Form der Selbsttäuschung anzunehmen.

Die freundlichen Worte, die Trump für den chinesischen Präsidenten Xi auf der Pressekonferenz hatte, können die Tatsache nicht verdecken, dass das Pentagon konkrete Vorbereitungen für einen Krieg mit China trifft. Diese Situation wird sich nicht verbessern, da Trump und seine Berater Sanktionen als eine Form der Handelspolitik implementiert haben und die Kriegsgefahr als Mittel sehen, um sich Güter anderer Länder anzueignen.

Um es noch deutlicher auszudrücken: Die Entfesselung des US-Militärs unter der Führung von Psychopathen, ohne zivile Kontrolle, könnte die größte Katastrophe in der Geschichte der Menschheit sein.

Die Reaktion von Vertretern der Demokratischen Partei in den Vereinigten Staaten und von vielen Konservativen in Südkorea und in Japan, war eine Vielzahl von Kritikpunkten, die absichtlich außer Acht ließen, wie Trump das Völkerrecht ignoriert, seine faschistische Basis fördert und den Militarismus umarmt.

Das Versäumnis der Vereinigten Staaten zu fordern, dass alle Nationen den Atomwaffen-Nichtverbreitungsvertrag einhalten, der Verrat an Iran und die Entscheidung des Pentagon, eine neue Generation von Atomwaffen für die Kosten von 1 Billion US-Dollar zu entwickeln, was eine offensichtliche Verletzung des Nichtverbreitungsvertrags darstellt, sind Tabu-Themen.

Der Aufstieg des Anti-Intellektualismus und der Verfall der Medien

Die Politik hinter dem Trump-Kim-Gipfel war nicht einfach. Die geopolitischen Verschiebungen, die heute stattfinden, sind tiefgreifend. Da die Regierungen der Nationalstaaten kompromittiert und von privaten Interessen übernommen werden, sehen sich Politiker zunehmend gezwungen, die Offerten der Superreichen anzunehmen. Die Landkarte für das Verständnis unserer Welt ändert sich täglich.

Die Medien sehen ihre Rolle jedoch darin, die Welt auf eine Weise zu präsentieren, die multinationale Konzerne und Investmentbanken erfreut. Medien seien demnach nur ein Geschäft, eine Form der Öffentlichkeitsarbeit. Es gibt keine intellektuelle Prüfung des tatsächlichen Zustands der Welt. Moralische Fragen spielen bei Entscheidungen über Nachrichteninhalte keine Rolle. Die meisten Berichte dienen zur Verwirrung und Irreführung.

Der einzige Inhalt, der in den Berichten über den Gipfel geboten wurde, waren Details darüber, wie der Zug von Kim Jong-un nach Hanoi fuhr, wie Barrikaden außerhalb des Hotels errichtet wurden sowie die feinen Eckpunkte des diplomatischen Protokolls.

Die Medien sind tot und eine tiefe Welle des Anti-Intellektualismus hat die Vereinigten Staaten und viele andere Nationen erfasst, was eine kritische Analyse unmöglich macht. Trump ist nicht nur nicht in der Lage, die Gefahren unserer Zeit zu erfassen, sondern mit ihm auch eine wachsende Zahl von Bürgern, die süchtig nach Online-Spielen, Pornografie oder sozialen Medien sind, auf plappernde Narren reduziert, die nicht in der Lage sind, komplexe Probleme zu verstehen.

In gewissem Sinne lautet die kritische Frage am Ende des Gipfels nicht: “Wann kann ein anderer Gipfel abgehalten werden?”, sondern: “Wie können wir eine Kommunikationskultur schaffen, in der die Diskussionen zwischen Institutionen mit den wirklichen Problemen unserer Zeit korrespondieren?”

Abschließend sollte man fragen, welche Themenbereiche aus der Agenda des Gipfels in Hanoi herausgehalten wurden.

Die wichtigsten Themen unserer Zeit

Die schnelle Konzentration des Reichtums in den Händen der Wenigen war ein Thema, über das offenbar weder Trump noch Kim diskutieren wollten. Die Krise des Klimawandels, die Korea in eine Wüste zu verwandeln droht, die Luftverschlechterung durch unregulierte Luftverschmutzung und die zunehmende Nutzung von Kohle als Strom, waren ebenfalls Tabuthemen.

Die Gefahr eines Atomkrieges und des wachsenden Wettrüstens in der Region konnte nicht erwähnt werden (obwohl dies die Hauptursache für die Unsicherheit in Nordkorea darstellt), da die Rüstungsindustrien in den Vereinigten Staaten, Russland, Japan, China und Südkorea an enormen Gewinnen interessiert sind. Wie schon vor dem Ersten Weltkrieg sind Rüstung und Kriegsgefahr wichtige Profitquellen.

Der gesamte Fokus des Gipfels lag darauf, wie Nordkorea seine Atomwaffen aufgeben würde. Eine kleine Sorge im Vergleich zu den Tausenden von Atomwaffen, die die USA im Besitz haben, während diese immer mehr mit Krieg drohen und es sogar ablehnen auf den Erstschlag mit Atomwaffen zu verzichten.

Dieses Problem wird jedoch nicht durch ein weiteres Gipfeltreffen gelöst. Dieses Problem wird nur adressiert, wenn wir einen Dialog führen, in dem die wahren Anliegen der Bürger reflektiert werden und ein Diskurs über reale Bedrohungen in internationalen Beziehungen auf der Grundlage wissenschaftlicher Analysen von zentraler Bedeutung ist. Eine solche Transformation erfordert einen Wandel der zugrunde liegenden Gesellschaftskultur, nicht von Politik oder Verwaltung.

“Die gebrochene Regierung zerbricht den Gipfel von Hanoi” Circles and Squares

Circles and Squares

24 März  2019

“Die gebrochene Regierung zerbricht den Gipfel von Hanoi”

Emanuel Pastreich

Director

The Asia Institute

Die plötzliche Absage der gemeinsamen Erklärung am 28. Februar am Ende des Trump-Kim-Gipfels in Hanoi, Vietnam, erlebte ich als eines der komplexesten und widersprüchlichsten historischen Ereignisse, an das ich mich erinnere. Natürlich war die improvisierte kurze Zusammenfassung von Donald Trump und Mike Pompeo unmittelbar nach dem Gipfeltreffen in keiner Weise vielschichtig. Es war eine banale Schau für die Medien, die es vermieden hatten, über all das zu reden, was über den bloßen Ablauf des Gipfels hinausgegangen wäre.

Trump sprach über seine “starke Beziehung” zu Kim Jong-un, Shinzo Abe, Xi Jinping und Moon Jae-in, und klang dabei wie ein Spätvorstellungskomiker, der versucht, Inhalte zu finden, um ein plötzliches aufgetauchtes Loch im Programm zu schließen.

Aber die positiven Sätze, die Trump herausbrachte, konnten nicht jeden von der an Fahrt aufnehmenden weltweiten Katastrophe ablenken. Trumps schmeichelhafte Worte über seine “produktive Zeit” mit dem Vorsitzenden Kim taugten nicht als Feigenblatt, um die von allen Seiten zunehmende Kriegsgefahr zu vertuschen.

Lass uns ehrlich sein: Nordkorea ist keine überwältigende Bedrohung für den Weltfrieden, sondern eher eine Insel der relativen Stabilität in dem Staub, der aufgewühlt wird, während die globale Ordnung, die im Jahr 1951 auf der Konferenz von San Francisco begründet wurde, zusammenbricht. Die Tatsache, dass Nordkorea ein geschlossener und repressiver Staat ist, versetzt ihn in eine „gute“ Gesellschaft zusammen mit anderen Staaten der Gegenwart.

Aber die Vereinigten Staaten, denen nunmehr die gesamte Regierungsexpertise verlustig gegangen ist, die radikale Privatisierung der Themen- und Politikanalyse sowie die von einer extremen Konzentration des Reichtums geplagte Kultur, geraten zusammen in ein Gemisch aus Isolationismus und Militarismus, das fast alles möglich macht.

Diese strukturelle Transformation war – mehr noch als der Widerstand der US-Opposition gegen den Abbau der Sanktionen gegen Nordkorea oder die schäbige Aussage von Trumps Anwalt Michael Cohen – der Grund dafür, dass die Hanoi-Show nichts Substanzielles hervorbrachte.

Aber die Welt steht nicht still für einen Trump. Indien und Pakistan, zwei Atommächte, stehen am Rande eines Krieges, nicht zuletzt aufgrund der ungehobelten geopolitischen Spiele der Vereinigten Staaten um den chinesischen Einfluss zu begrenzen. Das US-Militär operiert nach wie vor straffrei in Zentralasien, im Nahen Osten und in Afrika, und auch der neue US-Kongress scheint nicht in der Lage oder willens zu sein, dies einzudämmen.

Südamerika wurde durch die Amtseinführung der rechtsextremen Regierung in Brasilien unter Jair Bolsonaro in ein Chaos gestürzt, das nicht nur mit Gewalt als bevorzugtem Mittel zur Lösung politischer Probleme droht, sondern auch einem rücksichtslosen anti-intellektuellen Drang nach kurzfristigem Profit Vorschub leistet und mit Plänen zur exzessiven Rodung des Amazonaswaldes auf das Aussterben der Menschheit hinarbeitet.

Zur gleichen Zeit leisten die neokonservativen Zwillinge Elliot Abrams und John Bolton Überstunden um den Regimewechsel in Venezuela voranzutreiben. Sie wollen die Regierung von Nicolás Maduro stürzen und die Kontrolle über das venezolanische Öl an multinationale Konzerne übergeben. In einem grotesken Schachzug veröffentlichte der rechte Senator Marco Rubio Fotos des ermordeten libyschen Führers Muammar Gaddafi auf seinem Twitter-Account auf und schlug vor, dass Maduro auf ähnliche Weise gefoltert und ermordet werden solle, weil er sich den Vereinigten Staaten widersetzt.

Ein Großteil des Bestrebens, Bodenschätze und Rohstoffquellen an sich zu reißen, wird von den Öl- und Kohlenbaronen der Brüder Charles und Andy Koch angeführt. Beide haben einen großen Einfluss in dem Bestreben, ihre Krallen in die Kohle-, Gold- und andere Rohstoffvorkommen in Nordkorea zu schlagen. Rohstoffe, die angesichts der ökologischen Gegenwartssituation am besten unter der Erdoberfläche gelassen werden würden.

Das heißt, der Gipfel mit Kim Jong-un kann nicht verstanden werden, wenn man nicht weiß, dass das von Trump beschriebene Wirtschaftswunder tatsächlich ein Wirtschaftswunder für globale Investoren ist, nicht für Nordkoreaner. Das Engagement in Nordkorea kann nicht von dem feindlicheren Auftreten gegenüber Iran und Venezuela getrennt werden.

Doch das ist nur die halbe Geschichte. Der Druck von John Bolton, zum Rückzug der Vereinigten Staaten aus dem INF-Vertrag (Intermediate Range Nuclear Forces-Treaty), hat uns auf den Weg zu einem großen Wettrüsten geführt, das weitaus gefährlicher sein wird als das, was in den 1950er Jahren geschehen ist. Die Technologie ist viel weiter fortgeschritten. Dieser Wahnsinn, kombiniert mit dem einseitigen Bruch des Atomabkommens mit dem Iran, garantiert ein massives Wettrüsten zwischen Deutschland, Russland, China, den Vereinigten Staaten, der Türkei, Japan, Indien und dem Iran, das möglicherweise im Weltkrieg endet. Alle diese Länder haben wahrscheinlich in nicht allzu ferner Zukunft Atomwaffen.

Wir können sicher sein, dass Kim Jong-un und seine Berater sich des wachsenden Chaos bewusst sind. Hinter Kims Lächeln beim Bankett verbarg sich pure Angst. Der Gipfel war erfolgreich, weil beide Seiten bereit waren, eine tiefgehende Form der Selbsttäuschung anzunehmen.

Die freundlichen Worte, die Trump für den chinesischen Präsidenten Xi auf der Pressekonferenz hatte, können die Tatsache nicht verdecken, dass das Pentagon konkrete Vorbereitungen für einen Krieg mit China trifft. Diese Situation wird sich nicht verbessern, da Trump und seine Berater Sanktionen als eine Form der Handelspolitik implementiert haben und die Kriegsgefahr als Mittel sehen, um sich Güter anderer Länder anzueignen.

Um es noch deutlicher auszudrücken: Die Entfesselung des US-Militärs unter der Führung von Psychopathen, ohne zivile Kontrolle, könnte die größte Katastrophe in der Geschichte der Menschheit sein.

Die Reaktion von Vertretern der Demokraten Partei in den Vereinigten Staaten und von vielen Konservativen in Südkorea und in Japan, war eine Vielzahl von Kritikpunkten, die absichtlich außer Acht ließen, wie Trump das Völkerrecht ignoriert, seine faschistische Basis fördert und den Militarismus umarmt.

Das Versäumnis der Vereinigten Staaten, zu fordern, dass alle Nationen den Atomwaffen-Nichtverbreitungsvertrag einhalten, der Verrat an Iran und die Entscheidung des Pentagon, eine neue Generation von Atomwaffen für die Kosten von 1 Billion US-Dollar zu entwickeln, was eine offensichtliche Verletzung des Nichtverbreitungsvertrags darstellt, sind Tabu-Themen.

Der Aufstieg des Anti-Intellektualismus und der Verfall der Medien

Die Politik hinter dem Trump-Kim-Gipfel war nicht einfach. Die geopolitischen Verschiebungen, die heute stattfinden, sind tiefgreifend. Da die Regierungen der Nationalstaaten kompromittiert und von privaten Interessen übernommen werden, sehen sich Politiker zunehmend gezwungen, die Offerten der Superreichen anzunehmen. Die Landkarte für das Verständnis unserer Welt ändert sich täglich.

Die Medien sehen ihre Rolle jedoch darin, die Welt auf eine Weise zu präsentieren, die multinationale Konzerne und Investmentbanken erfreut. Medien seien demnach nur ein Geschäft, eine Form der Öffentlichkeitsarbeit. Es gibt keine intellektuelle Prüfung des tatsächlichen Zustands der Welt. Moralische Fragen spielen bei Entscheidungen über Nachrichteninhalte keine Rolle. Die meisten Berichte dienen zur Verwirrung und Irreführung.

Der einzige Inhalt, der in den Berichten über den Gipfel geboten wurde, waren Details darüber, wie der Zug von Kim Jong-un nach Hanoi fuhr, wie Barrikaden außerhalb des Hotels errichtet wurden sowie die feinen Eckpunkte des diplomatischen Protokolls.

Die Medien sind tot und eine tiefe Welle des Anti-Intellektualismus hat die Vereinigten Staaten und viele andere Nationen erfasst, was eine kritische Analyse unmöglich macht. Trump ist nicht nur nicht in der Lage, die Gefahren unserer Zeit zu erfassen, sondern mit ihm auch eine wachsende Zahl von Bürgern, die süchtig nach Online-Spielen, Pornografie oder sozialen Medien sind, auf plappernde Narren reduziert, die nicht in der Lage sind, komplexe Probleme zu verstehen.

In gewissem Sinne lautet die kritische Frage am Ende des Gipfels nicht: “Wann kann ein anderer Gipfel abgehalten werden?” Sondern “Wie können wir eine Kommunikationskultur schaffen, in der die Diskussionen zwischen Institutionen mit den wirklichen Problemen unserer Zeit korrespondieren?”

Abschließend sollte man fragen, welche Themenbereiche aus der Agenda des Gipfels in Hanoi herausgehalten wurden.

Nun, was sind also die wichtigsten Themen unserer Zeit?

Die schnelle Konzentration des Reichtums in den Händen der Wenigen war ein Thema, über das offenbar weder Trump noch Kim diskutieren wollten. Die Krise des Klimawandels, die Korea in eine Wüste zu verwandeln droht, die Luftverschlechterung durch unregulierte Luftverschmutzung und die zunehmende Nutzung von Kohle als Strom, waren ebenfalls Tabuthemen. Die Gefahr eines Atomkrieges und des wachsenden Wettrüstens in der Region konnte nicht erwähnt werden (obwohl dies die Hauptursache für die Unsicherheit in Nordkorea darstellt), da die Rüstungsindustrien in den Vereinigten Staaten, Russland, Japan, China und Südkorea an enormen Gewinnen interessiert sind. Wie schon vor dem Ersten Weltkrieg sind Rüstung und Kriegsgefahr wichtige Profitquellen.

Der gesamte Fokus des Gipfels lag darauf, wie Nordkorea seine Atomwaffen aufgeben würde. Eine kleine Sorge im Vergleich zu den tausenden von Atomwaffen, die die USA im Besitz haben, während diese immer mehr mit Krieg drohen und es sogar ablehnen auf den Erstschlag mit Atomwaffen zu verzichten.

Dieses Problem wird jedoch nicht durch ein weiteres Gipfeltreffen gelöst. Dieses Problem wird nur adressiert, wenn wir einen Dialog führen, in dem die wahren Anliegen der Bürger reflektiert werden und ein Diskurs über reale Bedrohungen in internationalen Beziehungen auf der Grundlage wissenschaftlicher Analysen von zentraler Bedeutung ist. Eine solche Transformation erfordert einen Wandel der zugrunde liegenden Gesellschaftskultur, nicht von Politik oder Verwaltung.

The Asia Institute UNSERE GRUNDSÄTZE

UNSERE GRUNDSÄTZE

Die Arbeit des Asien-Instituts konzentriert sich auf diese vier miteinander verbundenen Kernpunkte, welche die gesamte Welt beeinflussen. Unser Anspruch ist es, die Bedeutung dieser Kernpunkte zu interpretieren und eine globale Antwort durch einen gemeinschaftlichen Dialog zu erarbeiten, der eine große Spannbreite an Experten in vielen Ländern der Welt einschließt.

 

 

(I) Die Veränderung unserer Gesellschaft und unserer Wirtschaft durch ein noch nie dagewesenes Maß an technologischem Wandel

 

 

Wenngleich die Ziegel- und Mörtelgebäude um uns herum im Grundsatz unverändert geblieben  und die Grenzen unserer Länder im Wesentlichen dieselben sind,  wurde unsere Welt durch Technologie gleichzeitig tiefgreifend verändert. Moderne Kommunikationstechnologien bringen ähnlich Gesinnte weltweit in unvorhergesehene Beziehungen zu einander. Der ureigentliche Prozess der Trennung von Wahrheit und Fiktion wird immens erschwert, während die Technologie verändert, wie wir wissen und was wir wissen, oder was wir nicht wissen.

 

 

 

Auch der 3D-Druck ermöglicht es, nahezu Alles ohne sonstige Fertigungstechnik herzustellen. Auf diesen Einfluss technologischer Veränderungen Antworten zu finden, wird die große Herausforderung unseres Zeitalters sein, die umso schwieriger wird, da die vielen Veränderungen für die meisten Menschen zum Teil unsichtbar sind.

 

 

 

(II) Die Auswirkungen des neuen sozioökonomischen Systems auf unser Klima auf lokaler, regionaler und globaler Ebene

 

 

Der Klimawandel ist bei Weitem die größte Sicherheitsbedrohung, der wir uns heute gegenübersehen. Obwohl der Klimawandel seit mehr als 20 Jahren als schwerwiegende Gefahr erkannt wurde, sind unser ökonomisches System und unsere sozialen und kulturellen Institutionen bis heute nicht fähig, hierauf eine Antwort zu formulieren und zu implementieren. Wir müssen verstehen, auf welche Weisen unsere gegenwärtige globale Wirtschaft und unsere technologische Ordnung zum Klimawandel beitragen und konkrete Schritte für die Anpassung an den Klimawandel und dessen Abschwächung im globalen Maßstab zu erarbeiten.
 

 

(III) Die Transformation internationaler Beziehungen durch technologischen Wandel, insbesondere Veränderungen auf den Feldern der Diplomatie, Sicherheit, Bildung, Finanzwesen und Handel

 

 

Obwohl wir dieselben Begriffe wie vor 100 Jahren benutzen um internationale Beziehungen zu beschreiben, wurde das Wesen der Diplomatie, der Sicherheit und des Handels durch den technologischen Wandel auf unverkennliche Weise verändert. Bilder, Texte und Videos können unmittelbar über die ganze Welt verbreitet werden, was einen wahrhaftigen „Tod der Distanz“ mit sich bringt. Und zunehmend können Bilder, Texte und Videos ebenso leicht produziert werden.

 

 

Menschen und Waren werden mit großer Leichtigkeit auch über große Distanzen transportiert. Auch hat die Globalisierung viele heimatlose Einwohner geschaffen. Und ebenso können Massen an Gütern hergestellt und auf automatisierte Weise um den gesamten Globus herum verschifft werden – als Teil der vierten industriellen Revolution. Wir müssen im Licht dieser transformativen Veränderungen vollständig das Konzept internationaler Beziehungen überdenken und uns über vage Ängste gegenüber der Globalisierung hinaus begeben und stattdessen den ausgeprägten Einfluss der Technologie auf internationale Beziehungen aufzeigen und einordnen.

 

 

 

(IV) Der Aufstieg des Anti-Intellektualismus und der Abstieg der Anwendung gründlicher Wissenschaft für Analyse und Problemlösung, sogar inmitten der rasanten technologischen Evolution

 

 

Die Welt sieht sich einer furchtbaren Welle des Anti-Intellektualismus gegenüber – von der Verneinung des Klimawandels bis hin zu rassistischem Essentialismus – die unsere Fähigkeit unterminiert auf die drängenden Fragen unseres Zeitalters Antworten zu finden und anstelle dessen eine aus Ignoranz und Gleichgültigkeit kommende, maßlose Haltung fördert. Diese Entwicklung ist eine Folge der Entwertung von Bildung in ein kommerzielles Produkt und des resultierenden Verfalls intellektueller Gründlichkeit in den Medien und anderen Formen des Ausdrucks. Diese neue Kultur ist von Natur aus anti-wissenschaftlich, auch wenn sie funkelnde Technologie bereitwillig annimmt.

 
Wir müssen emotionale Antworten vermeiden, die von technischen Spielereien herrühren und stattdessen ein rationales, wissenschaftliches Herangehen in der Politik, in der Technologie und im strategischen Maßstab implementieren. Wir müssen dem anti-wissenschaftlichen Ansatz des „panem et circenses“ (Brot und Spiele) im politischen Diskurs, der sich über die ganze Welt verbreitet hat, aus dem Weg gehen. Alles in Allem müssen Intellektuelle eine starke gesellschaftliche Verantwortung haben und sollten als zentrale Figuren in der Gesellschaft behandelt werden.

 

Emanuel Pastreich

Direktor

 

Huffington Post Deutschland

“Der Chinesische Traum: Nachahmung oder grundlegende Alternative?”

2016/02/01

Emanuel Pastreich

Als ich kürzlich in Nanjing eintraf um an einer Konferenz teilzunehmen, fragte ich den Studenten, der mir als Wegführer zugewiesen war, ob er mich zu dem berühmten konfuzianischen Tempel Fuzimiao in der Altstadt bringen könnte. Es war mein erster Besuch in der Stadt Nanjing, und ich wollte deren Seitengassen erkunden und vielleicht in einem traditionellen Teehaus halt machen.

Ich kannte Nanjing – oder ‘Jinling’, als das es in der Zeit vor der Ming-Dynastie bekannt war – obwohl ich es zuvor nie besucht hatte. Ich hatte viele Gedichte gelesen, die in Bezug zu Nanjing stehen, als ich an den Universitäten von Tokio und Harvard chinesische Literatur studiert hatte. Die Landschaft des Qinghuai Flusses war mir aus Sammelbänden des 17. Jahrhunderts vertraut, und ich hatte mir die ausladenden Herrenhäuser Nanjings im 18. Jahrhundert vorgestellt, als ich im College den Roman “Der Traum der Roten Kammer” gelesen hatte.

Aber meine Suche nach Spuren des alten ‘Jingling’ in den ungebändigten Straßen des zeitgenössischen Nanjing war erfolglos. Alle traditionellen Gebäude um den Fuzimiao-Tempel waren abgerissen worden und ersetzt durch fade Betonbauten, in denen Schnellrestaurants und T-Shirt-Läden untergebracht waren. Obwohl einige Geschäfte ausgezeichnete Tees anboten, unterschieden sich die Speisen und die angebotene Kleidung kaum von dem, was man in Bangkok oder dementsprechend auch in Los Angeles finden kann. Nichts war in Nanjing hergestellt worden. Die Stadt hatte ihre Gemeinschaft an Kunstgewerblern und Handwerkern verloren, ganz zu schweigen von ihren Dichtern und Schriftstellern.

Das Innere des Fuzimiao Tempels fühlte sich nicht authentisch an. Die Wände waren aus purem Beton geformt, nicht aus Stein oder Mauerputz. Das Gebälk war von rauen Händen geschnitzt worden, und die Ecken, in denen der Fußboden auf die Wände trifft, waren nur unpfleglich fertiggestellt worden. Das Mobiliar war dürftig gefertigt worden und die an den Wänden aufgehängte Kalligrafie war mittelmäßig.

Ich stieß an diesem Nachmittag in Nanjing nicht auf große Historie, nichts wie die Relikte einer inspirierenden Vergangenheit wie man sie im Notre Dame in Paris oder um den Tdaiji -Tempel in Nara herum finden kann. Ich hatte aus einigen Darlegungen, die ich gelesen hatte, den Eindruck gewonnen, dass Nanjings Vergangenheit etwas sei, mit dem sich Chinesen obligatorisch beschäftigen müssten. Aber wenig von dieser alten Zivilisation hat in der Gegenwart Relevanz.

Mein studentischer Wegführer war bei der Suche nach einem traditionellen Teehaus sehr behilflich, doch ich ging fort mit einem tiefen Gefühl der Traurigkeit, da so viel des traditionellen Chinas verloren gegangen war – nicht so sehr wegen Mao Zedongs Kulturrevolution, sondern durch das Entstehen einer rücksichtslosen Konsumkultur. Diese Traurigkeit war nach ihrem Wesen ganz sicher nicht sentimental.

Die wahre Tragödie besteht darin, dass China einst der Welt das am weitesten entwickelte System zur Unterstützung einer komplexen Bürokratie und einer großen Bevölkerung bot – und dies vollständig auf der Grundlage nachhaltiger organischer Landwirtschaft. Als der amerikanische Agrarwissenschaftlicher Franklin Hiram King das Buch “4000 Jahre Landbau in China, Korea und Japan” (“Farmers of Forty Centuries, or Permanent Agriculture in China, Korea, and Japan”) im Jahr 1911 geschrieben hatte, argumentierte er, dass Ostasien ein Modell für eine wahrhaftig nachhaltige Landwirtschaft bieten würde, welches die USA so bald wie möglich ebenso einführen sollten. Tragischerweise hat stattdessen China den tödlichen amerikanischen Mix aus Kunstdünger und Pestiziden importiert, der nichts Nachhaltiges bietet. Die chinesische Weisheit der Landwirtschaft ist den jungen Menschen genau in dem Moment verloren gegangen, als sie am dringendsten benötigt wird.

So haben auch die chinesischen Traditionen der Bescheidenheit und Genügsamkeit, des Respekts vor dem Alter und der persönlichen Demut eine enorme Zugkraft als Alternative zu einer rücksichtslosen Konsumgesellschaft. Aber wenn Sie nach China reisen um nach diesen Werten Ausschau zu halten, dann werden Sie enttäuscht werden.

Die westlichen Träume von China

Viele Menschen aus dem westlichen Kulturkreis suchen in China eine Alternative zu der tiefen Maläse, welche die westliche Kultur infiziert hat. Es war ein ähnlicher Impuls, der mich dazu inspiriert hatte chinesische Literatur zu studieren: eine Desillusionierung von Materialismus und Militarismus, welche langsam die Institutionen der Vereinigten Staaten zerfraßen. Konfuzianismus, Buddhismus und Taoismus bieten Amerikanern eine Alternative zu einer Gesellschaft, in der alle Handlungen des Individuums in Geldwert umgerechnet werden. Read more of this post

„Ankündigung meiner Kandidatur als Präsident von Facebook” (The Huffington Post DE)

german republic of facebook

„Ankündigung meiner Kandidatur als Präsident von Facebook”

Emanuel Pastreich

The Huffington Post DE

 17/03/2016

 

Liebe Bürger von Facebook:

Facebook ist sehr viel mehr als Mark Zuckerbergs Rechner-Farmen und seine Armee von Programmierern. Facebook ist heutzutage das effektivste Mittel für Menschen um miteinander zu kommunizieren und um Netzwerke der Zusammenarbeit zu formen, jenseits nationaler Grenzen.

Facebook ist ein so noch nie da gewesenes internationales Netzwerk von Menschen, die einen enormen Beitrag zur Lösung der Probleme unserer Epoche leisten könnten, wenn es ihnen erlaubt wird. Die Zeit ist gekommen um unsere Unabhängigkeit von dem Imperium zu erklären, das uns kontrolliert.

Das Internet wird begrifflich oft als eine Aneinanderreihung verschiedener Schichten verstanden, welche von der ersten Schicht (der physischen Verbindung von Drähten und Kabeln, auf die sich unser Fernmeldewesen stützt) bis hin zur siebten Schicht reicht, die den Einsatz von Anwendungen über das Internet darstellt.

Aber die globale Gemeinschaft von Facebook befindet sich auf einer höheren Ebene als die siebte Schicht (die Facebook Web-Anwendung) und formt eine achte Schicht, die kultureller, sozialer und politischer Natur ist und welche nur tangential in Beziehung zu den sieben unteren Schichten steht. Read more of this post

Ein Aufruf zur Vernunft am 60. Jahrestag des Russell-Einstein Manifests

Ein Aufruf zur Vernunft am 60. Jahrestag des Russell-Einstein Manifests

60 Jahre nachdem Albert Einstein und Bertrand Russell ihr Manifest über die wachsende Gefahr eines Weltkriegs veröffentlicht hatten, sieht sich der Globus erneut mit der Möglichkeit eines Atomkriegs konfrontiert – zusammen mit der Bedrohung durch den Klimawandel

(von Emanuel Pastreich, 9. Juli 2015)

Es war genau von 60 Jahren, als Bertrand Russell und Albert Einstein mit einer Gruppe führender Intellektueller in London zusammen kamen und ein Manifest unterzeichneten[1], in welchem sie die gefährliche Dynamik hin zu einem Krieg zwischen den kommunistischen und anti-kommunistischen Fraktionen des Globus verurteilten. Zu den Unterzeichnern dieses Manifests gehörten führende Nobelpreisträger wie Hideki Yukawa und Linus Pauling.

Sie nahmen dabei kein Blatt vor den Mund, indem sie die Drang nach Krieg und das rücksichtslose Reden vom Gebrauch nuklearer Waffen, die damals über die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion hinwegfegten, als Gefahr für die gesamte Menschheit bezeichneten. In dem Manifest wurde die Schlussfolgerung gezogen, dass die technologischen Fortschritte, insbesondere die Erfindung der Atombombe, die Menschheitsgeschichte verändert hatten.

Das Manifest fasste die Wahl, vor die die Menschheit gestellt wurde, in scharfen Worten zusammen:

“Hier also liegt das Problem, nackt, furchtbar und unausweichlich: Werden wir dem Menschengeschlecht den Untergang bereiten, oder wird die Menschheit auf Krieg verzichten?”

Das Russell-Einstein Manifest erzwang eine ernsthafte Neubetrachtung der gefährlichen Richtung, in die sich die Vereinigten Staaten in der damaligen Zeit bewegten und war der Beginn einer Neuausrichtung der Idee von Sicherheit, die zum Nichtverbreitungspakt von 1968 und zu den Rüstungskontrollgesprächen der 1970er Jahre führte.

Aber wir können uns heute nicht auf diesen Errungenschaften ausruhen. Die Vereinigten Staaten haben ihre gemäß dem Nichtverbreitungsvertrag eingegangenen Verpflichtungen vollständig vergessen und das Wort “Rüstungskontrolle” ist aus der Diskussion über Sicherheit verschwunden. Das vergangene Jahr stand unter dem Zeichen der Konfrontation der Vereinigten Staaten mit Russland in der Ukraine bis zu einem Ausmaß, dass viele von der Gefahr eines nuklearen Kriegs gesprochen haben.

Als ein Ergebis dessen gab Russland am 16. Juni dieses Jahres bekannt, dass es 40 neue Interkontinentalraketen[2] in Betrieb nehmen wolle, als Antwort auf die Investitionen der Vereinigten Staaten in die Nachrüstung der U.S.-Nuklearstreitkräfte während der vergangenen zwei Jahre.

Ähnliche Spannungen sind zwischen Japan und China im Disput über die Senkaku/Diaoyutai-Inseln und zwischen den Vereinigten Staaten und China über das Südchinesische Meer aufgekommen. Diskussionen über die Möglichkeit eines Kriegs mit China tauchen mit zunehmender Häufigkeit in den westlichen Medien auf, und zutiefst verstörend ist dabei ein klarer Drang hin zur Militarisierung der amerikanischen Beziehungen mit Asien.

Aber in der heutigen Zeit werden die Gefahren eines nuklearen Kriegs ergänzt durch eine gleichwertige oder sogar noch größere Bedrohung: den Klimawandel. Selbst der Kommandant des Pazifikkommandos der Vereinigten Staaten (“United States Pacific Command”), Admiral Samuel Locklear, teilte dem “Boston Globe” im Jahr 2013 mit[3], dass der Klimawandel “allerhöchstwahrscheinlich diejenige Sache ist…die die Sicherheitsarchitektur lähmen wird, wahrscheinlich mehr als andere Szenarien, über die wir oft sprechen.”

Jüngst gab Papst Franziskus eine detaillierte und unverblümte Enzyklika heraus, die sich der existenziellen Bedrohung durch den Klimawandel widmet und in der er erklärt:

 

“Es ist bemerkenswert, wie schwach die internationalen Reaktionen in Antwort [auf den Klimawandel] bisher gewesen sind. Daraus folgend ist das Beste, das man erwarten kann, oberflächliche Rhetorik, sporadische Akte der Philanthropie und ohne wirkliches Interesse daherkommende Bekundungen der Sorge um die Umwelt. Während jeder ernstgemeinte Versuch von Gruppen innerhalb der Gesellschaft Wandel herbeizuführen, als eine auf romantisierten Illusionen basierende Belästigung oder als zu umgehendes Hindernis betrachtet wird.”

Als der 60. Jahrestag des Russell-Einstein Manifests näher rückte, wurde ich zunehmend verstört in Anbetracht der vollständigen Untätigkeit unter den am besten Gebildeten und den Gut-Vernetzten im Angesicht eines der gefährlichsten Momente in der modernen Geschichte, und vielleicht in der menschlichen Geschichte überhaupt, weitaus düsterer als das, dem sich Russell und Einstein gegenüber sahen. Nicht nur sehen wir uns einer zunehmenden Wahrscheinlichkeit eines nuklearen Kriegs gegenüber; auch gibt es Anzeichen dafür, dass der Klimawandel schneller voranschreitet als zuvor erwartet. Das “Science Magazine” hatte jüngst eine Studie veröffentlicht[4], die eine massive Zerstörung im Bereich der Meere vorhersagt, falls wir den gegenwärtigen Trends folgen, und selbst die Gletscher der südantarktischen Halbinsel – die einst für die stabilsten gehalten wurden – schmelzen in rapider Geschwindigkeit[5]. Und trotzdem sehen wir von den Großmächten noch nicht einmal die oberflächlichsten Anstrengungen um dieser Bedrohung zu begegnen.

Ich sprach informell über meine Sorgen mit meinem Freund John Feffer, Direktor der Zeitschrift “Foreign Policy in Focus” mit Sitz in Washington D.C. und Partner des “Asia Institute” in Seoul, Korea. John hat in großem Umfang über die Erfordernis geschrieben, den Klimawandel als die primäre Sicherheitsbedrohung zu identifizieren und hat auch eng mit Miriam Pemberton vom “Institute for Policy Studies” zusammengearbeitet in der Bemühung, die Vereinigten Staaten von der Militärwirtschaft wegzubewegen. Gemeinsam stellten wir eine etwas aktualisierte Version des Manifests zusammen, die den Klimawandel betont (ein Problem, das im Jahr 1955 noch nicht verstanden wurde) und machten daraus ein Dokument, das nicht nur von Nobelpreisträgern, sondern von jedem Menschen auf der Welt unterzeichnet werden kann.

Ich sprach auch mit David Swanson, einem Freund aus meinen Tagen, als ich mit meiner Arbeit den Wahlkampf von Dennis Kucinich für dessen Nominierung durch die Demokratische Partei im Jahr 2004 unterstützte. David steht heute im Dienst als Direktor von “World Beyond War” und ist tiefgründig engagiert in der Arbeit um einen Konsens zu schaffen, in dem Krieg nicht länger eine Notwendigkeit für die menschliche Gesellschaft darstellt. Er bot an, das Manifest einer breiten Gruppe von Aktivisten vorzustellen und wir einigten uns darauf, dass “Foreign Policy in Focus”, das “Asia Institute” und “World Beyond War” gemeinsam das neue Manifest mittragen.

Schließlich sendete ich den Entwurf an Noam Chomsky, der bereitwillig anbot das Manifest zu unterzeichnen und dazu den folgenden Kommentar schrieb:

“Im vergangenen Januar wurde die berühmte “Atomkriegsuhr” zwei Minuten näher an Mitternacht herangerückt, so nahe wie nicht mehr seit einer großen Kriegsangst vor 30 Jahren. Die begleitende Erklärung, die davor warnt, dass die beständige Bedrohung durch nuklearen Krieg und “ungehinderten Klimawandel” die menschliche Zivilisation ernsthaft bedrohen, ruft die düstere Warnung von Bertrand Russell und Albert Einstein an die Menschen vor 60 Jahren in Erinnerung und ruft sie auf, eine Entscheidung zu treffen, die “nackt, furchtbar und unausweichlich [ist]: Werden wir dem Menschengeschlecht den Untergang bereiten, oder wird die Menschheit auf Krieg verzichten?”

In der gesamten Menschheitsgeschichte gab es niemals eine Entscheidung wie diejenige, der wir heute gegenüber stehen.”

Im Folgenden ist die Deklaration zum 60. Jahrestag des Russell-Einstein Manifests aufgeführt. Wir möchten alle Menschen, die um die Zukunft der Menschheit und die Zukunft der irdischen Biosphäre besorgt sind, dazu ermutigen, sich den Unterzeichnern der Erklärung anzuschließen und Freunde und Familienmitglieder dazu einzuladen, ebenfalls die Erklärung zu unterzeichnen. Die Deklaration kann hier auf der “DIY RootsAction”-Website unterzeichnet werden: http://diy.rootsaction.org/p/man

Deklaration zum 60. Jahrestag des Russell-Einstein Manifests:

(9. Juli 2015)

In Anbetracht des wachsenden Risikos, dass in zukünftigen Kriegen Waffen, nukleare und andere, eingesetzt würden, welche die fortschreitende Existenz der Menschheit gefährden, drängen wir die Regierungen der Welt darauf zu verstehen und öffentlich anzuerkennen, dass ihre Ziele nicht durch einen Weltkrieg vorangetrieben werden können. Und wir fordern sie dazu auf, infolgedessen nach friedlichen Wegen der Beilegung strittiger Angelegenheiten zwischen ihnen zu suchen.

Auch schlagen wir vor, dass alle Regierungen der Welt damit beginnen, diejenigen Ressourcen, die bislang der Vorbereitung auf destruktive Konflikte zugeteilt wurden, einem neuen, konstruktiven Zweck zukommen zu lassen: der Abmilderung des Klimawandels und dem Errichten einer neuen und nachhaltig zukunftsfähigen Zivilisation im globalen Maßstab.

Das Bestreben dieser Deklaration wird unterstützt von “Foreign Policy in Focus”, dem “Asia Institute” und “World Beyond War” und wurde am 9. Juli 2015 ins Leben gerufen.

Die Deklaration kann hier unterzeichnet werden:

http://diy.rootsaction.org/p/man

Warum ist diese Deklaration wichtig?

Genau vor 60 Jahren versammelten sich führende Intellektuelle unter der Führung von Bertrand Russell und Albert Einstein in London, um ein Manifest zu unterzeichnen und um mit diesem ihre Sorge zum Ausdruck zu bringen, dass der Kampf zwischen den kommunistischen und anti-kommunistischen Blocks im Zeitalter der Wasserstoffbombe die Vernichtung der Menschheit besiegeln könnte.

Obwohl wir bislang den nuklearen Krieg, den diese Intellektuellen fürchteten, vermeiden konnten, wurde die Gefahr lediglich hinausgeschoben. Die Bedrohung, die unlängst wieder erschienen ist zusammen mit den Konflikten in der Ukraine und im Mittleren Osten, ist nur noch düsterer geworden.

Darüber hinaus droht mit der Beschleunigung des technischen Fortschritts ein Weiterreichen von nuklearen Waffen, und vielen anderen Waffen mit ähnlicher Zerstörungsgewalt, in die Hände einer wachsenden Zahl an Nationen (und potenziell auch an “nicht-staatliche Akteure”). Zur selben Zeit haben die Erstbesitzer nuklearer Waffensysteme dabei versagt, ihren Verpflichtungen unter dem Nichtverbreitungspakt nachzukommen, welche die Vernichtung der eigenen Arsenale verlangen.

Und jetzt sehen wir uns einer existenziellen Bedrohung gegenüber, die möglicherweise in Konkurrenz zu den destruktiven Konsequenzen selbst eines umfassenden Atomkriegs treten könnte: dem Klimawandel. Die raubgierige Ausbeutung unserer Ressourcen und ein gedankenloses Vertrauen auf die Nutzung fossiler Brennstoffe haben eine noch nie dagewesene Störung unseres Klimas verursacht. Zusammen mit einem unbegrenzten Angriff auf unsere Wälder, unsere Feuchtbiotope, unsere Ozeane, und auf unsere Ackerböden – im Streben nach kurzfristigen Gewinnen – hat uns diese unhaltbare wirtschaftliche Expansion an den Rand des Abgrunds gebracht.

Das Original-Manifest von 1955 erklärt: “Wir sprechen hier nicht als Angehörige dieser oder jener Nation, dieses oder jenes Erdteils oder dieses oder jenes Glaubensbekenntnisses, sondern als Angehörige der Spezies Mensch, deren weitere Existenz zweifelhaft geworden ist.”

Die Zeit ist für uns gekommen um mit dieser entstellten und irreführenden Auffassung von Fortschritt und Entwicklung, die uns verführt hatte und uns zur Zerstörung geführt hat, zu brechen.

Intellektuelle tragen – mit den Gaben ihrer spezialisierten Expertisen und Einsichten über die wissenschaftlichen, kulturellen und historischen Wirkungskräfte, die uns in diese missliche Lage gebracht haben – eine besondere Führungsverantwortung. Zwischen einem Söldner-Heer, das ohne Rücksicht auf Konsequenzen eine Agenda der engen Interessen verfolgt, und einer oft entmutigten, in die Irre geführten, und manchmal apathischen Bürgerschaft, stehen die Intellektuellen jeder Fachrichtung und aus jedem Arbeitsgebiet.

Es liegt an uns, die rücksichtslose Beschleunigung des Rüstungswettlaufs und die kriminelle Zerstörung des Ökosystems anzuprangern. Die Zeit ist für uns gekommen, um unsere Stimmen in einer gemeinsamen Anstrengung zu erheben.

Erstunterzeichner:

Noam Chomsky, professor emeritus, MIT

Helen Caldicott, author

Larry Wilkerson, retired United States Army Colonel and former chief of staff to Secretary of State Colin Powell.

Benjamin R. Barber, president, Global Parliament of Mayors Project

Naomi Klein, author of This Changes Everything

David Swanson, director, World Beyond War

John Feffer, director, Foreign Policy in Focus

Emanuel Pastreich, director, The Asia Institute

Leah Bolger, chair, coordinating committee, World Beyond War

Ben Griffin, coordinator, Veterans For Peace UK

Michael Nagler, founder and president, The Metta Center for Nonviolence

John Horgan, science journalist & author of The End of War

Kevin Zeese, co-director, Popular Resistance.

Margaret Flowers, M.D., co-director of Popular Resistance

Dahr Jamail, staff reporter, Truthout

John Kiriakou, associate fellow, Institute for Policy Studies and CIA Torture Whistleblower

Kim Hyung yul, president of the Asia Institute and professor of history, Sook Myung University

Choi Murim, professor of medicine, Seoul National University

Coleen Rowley, retired FBI agent and former Minneapolis Division legal counsel

Ann Wright, retired U.S. Army Colonel and former US diplomat

Mike Madden, vice president, Veterans For Peace, Chapter 27 (veteran of the US Air Force)

Chante Wolf, 12 year Air Force, Desert Shield/Storm veteran, member of Chapter 27, Veterans For Peace

William Binney, former NSA technical director, World Geopolitical & Military Analysis and co-founder of the SIGINT Automation Research Center.

Jean Bricmont, professor, Université Catholique de Louvain

Das Russell-Einstein Manifest

(herausgegeben in London am 9. Juli 1955)

Angesichts der tragischen Situation, welcher die Menschheit gegenwärtig gegenübersteht, meinen wir, dass sich die Wissenschaftler zur Aussprache zusammenfinden sollten um die Gefahren, welche aufgrund der Entwicklung der Massenvernichtungsmittel entstanden sind, abzuschätzen, und um über eine Resolution im Sinne des am Ende stehenden Entwurfs zu diskutieren.

Wir sprechen hier nicht als Angehörige dieser oder jener Nation, dieses oder jenes Erdteils oder dieses oder jenes Glaubensbekenntnisses, sondern als menschliche Wesen, als Angehörige der Spezies Mensch, deren weitere Existenz zweifelhaft geworden ist. Die Welt ist voller Streitigkeiten und der titanische Kampf zwischen Kommunismus und Antikommunismus überschattet alle kleineren Konflikte.

Fast jedermann mit politischem Bewusstsein hegt feste Ansichten über eine oder mehrere dieser Streitfragen. Aber wir bitten inständig darum, derartige Meinungen zurückzustellen und sich lediglich als Mitglied einer biologischen Art zu betrachten, die eine beachtliche Geschichte hinter sich hat und deren Untergang keiner von uns wünschen kann.

Wir wollen versuchen, nicht ein einziges Wort auszusprechen, das bei einer Partei mehr Anklang finden würde als bei einer anderen. Alle schweben in gleichem Maße in Gefahr; und wenn erst die Gefahr erkannt worden ist, besteht die Hoffnung, dass man sie gemeinsam abwenden kann.

Wir müssen lernen, auf neue Art zu denken. Wir sollten nicht mehr danach fragen, welche Mittel und Wege dem militärischen Siege der von uns bevorzugten Partei offen stehen. Solche Möglichkeiten gibt es nämlich gar nicht mehr. Vielmehr stehen wir vor der Frage, auf welche Weise eine militärische Auseinandersetzung, deren Folgen für alle Beteiligten unheilvoll sind, verhindert werden kann.

Die allgemeine Öffentlichkeit und sogar viele Männer in führenden Stellungen haben sich noch nicht vergegenwärtigt, was ein Krieg mit Kernbomben bedeuten würde. Die Allgemeinheit denkt hierbei immer noch an die Ausradierung von Städten. Man hat begriffen, dass die neuen Bomben noch stärker sind als die alten und dass, während eine Atombombe seinerzeit Hiroshima vernichten konnte, nunmehr eine Wasserstoffbombe die größten Städte wie London, New York und Moskau dem Erdboden gleichmachen könnte.

Zweifellos würden in einem Wasserstoffbombenkrieg die großen Städte verschwinden. Aber das wäre nur eines der kleineren Unglücke, die uns bevorstehen würden. Wenn in London, New York und Moskau alle bis auf den letzten Mann umgebracht werden würden, dann könnte sich die Welt im Lauf von ein paar Jahrhunderten von diesem Schlag erholen. Aber heute wissen wir, vor allem seit dem Bikini-Atoll-Versuch, dass Kernbomben Verderben über ein viel größeres Gebiet allmählich ausbreiten können, als bisher vermutet worden war.

Aus zuverlässiger Quelle wird berichtet, dass man zurzeit eine Bombe herstellen kann, welche 2500mal so wirksam ist wie jene, welche Hiroshima zerstört hat. Solch eine Bombe jagt radioaktive Teilchen in die obere Atmosphäre, sofern sie in Bodennähe oder unter Wasser explodiert. Diese Teilchen sinken allmählich wieder herab und erreichen die Erdoberfläche in Gestalt tödlichen Staubes oder Regens. Mit derartigem Staub wurden seinerzeit die japanischen Fischer und ihr Fang infiziert.

Kein Mensch weiß, wie weit solche tödlichen radioaktiven Teilchen ausgestreut werden können, aber die hervorragendsten Fachleute erklären einmütig, dass es sehr gut möglich wäre, dass ein Krieg mit Wasserstoffbomben der menschlichen Rasse ein Ende setzt. Es ist zu befürchten, dass beim Einsatz vieler Wasserstoffbomben ein allgemeines Sterben anhebt – plötzlich und schnell nur für die Minderzahl, für die Majorität hingegen als qualvolle Krankheit und langsames Dahinwelken.

Viele Männer der Wissenschaft und Autoritäten der Kriegsführung haben gewarnt. Keiner von ihnen sagt, dass die übelsten Auswirkungen gewiss sind. Aber sie sagen, dass jene Folgen möglich sind, und dass niemand

sicher sein könne, dass sie nicht eintreten werden. Wir haben bis jetzt nicht finden können, dass die diesbezüglichen Ansichten der Fachleute in irgend einer Weise von ihrer politischen Einstellung oder von anderen Vorurteilen abhängen. Vielmehr haben unsere Nachforschungen erwiesen, dass hierfür der Umfang der Sachkenntnis des einzelnen Fachmannes maßgeblich ist, und dass diejenigen Männer, welche am meisten wissen, die ärgsten Befürchtungen haben.

Hier also liegt das Problem, nackt, furchtbar und unausweichlich: “Werden wir dem Menschengeschlecht den Untergang bereiten, oder wird die Menschheit auf Krieg verzichten?” Man mag der Frage nicht nähertreten, weil den Krieg abzuschaffen so schwierig sei.

Die Beseitigung des Krieges wird unangenehme Einschränkungen der nationalen Souveränität verlangen. Was aber vielleicht mehr als alles andere ein Verständnis der Situation verhindert, liegt daran, dass das Wort “Menschheit” sich so unbestimmt und abstrakt anhört. Die Menschen stellen sich kaum vor, dass die Gefahr ihnen selbst, ihren Kindern und Großkindern und nicht bloß einer dunkel empfundenen Menschheit droht. Sie können es kaum begreifen, dass sie, jeder einzelne und all jene, die sie lieben, in der ungeheueren Gefahr schweben, auf qualvolle Weise umzukommen. Und so wiegen sie sich in der Hoffnung, dass es vielleicht doch zulässig sei, mit Kriegen fortzufahren, wenn die modernen Waffen verboten werden würden.

Diese Hoffnung aber ist eine Illusion. Was für Abmachungen über die Ausschaltung der Wasserstoffbombe auch in Friedenszeiten getroffen worden sind, sie würden in Kriegszeiten doch nicht als bindend angesehen werden. Auf beiden Seiten würde die Herstellung der Wasserstoffbombe wieder aufgenommen werden, sobald der Krieg ausgebrochen ist. Denn wenn auf der einen Seite die Bombe hergestellt wird und auf der anderen nicht, dann wäre der Gegner mit den Bombers ‘unvermeidlich der Sieger.

Obgleich also ein Abkommen über den Verzicht auf Atomwaffen als Teil einer allgemeinen Abrüstung keine endgültige Lösung darstellen würde, so würde es dennoch gewissen wichtigen Zwecken dienlich sein. Erstens hat jedes Übereinkommen zwischen Ost und West insoweit etwas Gutes an sich, als es zur Entspannung beiträgt. Zweitens würde die Abschaffung der thermonuklearen Waffen, sofern jeder von der ehrlichen Durchführung auf der anderen Seite überzeugt sein kann, die Furcht vor einem plötzlichen Angriff im Stile von Pearl Habour, welche gegenwärtig beide Seiten in einem Zustand nervöser Sorge hält, verringern. Wir würden daher ein solches Übereinkommen begrüßen, wenn auch nur als ersten Schritt.

Die meisten von uns denken nicht unparteiisch, aber als Menschen müssen wir uns stets vor Augen halten: Wenn die Streitfragen zwischen Ost und West auf irgendeine Weise entschieden werden können, welche jeden Partner weitgehend zufriedenstellen kann, sei er Kommunist oder Antikommunist, Asiate, Europäer oder Amerikaner, Weißer oder Schwarzer, dann dürfen diese Streitfragen keinesfalls durch Krieg entschieden werden. Es wäre zu wünschen, dass dieses sowohl im Osten als auch im Westen eingesehen wird.

Vor uns liegt, wenn wir richtig wählen, eine beständige Ausweitung von Glück, Wissen und Weisheit. Sollen wir stattdessen den Tod wählen, bloß weil wir unsere Streitereien nicht vergessen können? Wir wenden uns als Menschen an unsere Mitmenschen: Erinnert Euch Eures Menschseins und vergesst alles andere! Wenn Ihr das vermögt, dann öffnet sich der Weg zu einem neuen Paradies. Könnt Ihr es nicht, dann droht Euch allen der Tod.

Resolution:

Angesichts der Tatsache, dass in einem künftigen Weltkrieg Kernwaffen bestimmt benutzt werden würden, und dass derartige Waffen das Fortbestehen der Menschheit bedrohen, fordern wir die Regierungen, der ganzen Welt auf, einzusehen und öffentlich einzugestehen, dass ein Weltkrieg ihren Zielen nicht förderlich sein kann. Weiterhin fordern wir sie auf, friedliche Mittel aufzufinden, um alle Streitsachen zwischen sich zu schlichten.

Max Born

Perry W. Bridgman

Albert Einstein

Leopold Infeld

Frederic Joliot-Curie

Herman J. Muller

Linus Pauling

Cecil F. Powell

Joseph Rotblat

Bertrand Russell

Hideki Yukawa

Quellen:

1) http://www.umich.edu/~pugwash/Manifesto.html (“The Russell-Einstein Manifesto”, July 09, 1955)

2) http://www.washingtonpost.com/world/russia-to-increase-nuclear-arsenal-as-us-plans-more-firepower-in-europe/2015/06/16/2e81d4f4-1445-11e5-8457-4b431bf7ed4c_story.html (“Russia to increase nuclear arsenal as U.S. plans more firepower in Europe”, June 16, 2015)

3) http://www.bostonglobe.com/news/nation/2013/03/09/admiral-samuel-locklear-commander-pacific-forces-warns-that-climate-change-top-threat/BHdPVCLrWEMxRe9IXJZcHL/story.html (“Chief of US Pacific forces calls climate biggest worry”, The Boston Globe, March 09, 2013)

4) http://www.sciencemag.org/content/349/6243/aac4722 (“Contrasting futures for ocean and society from different anthropogenic CO2 emissions scenarios”, Science Magazine, July 03, 2015)

5) http://www.sciencemag.org/content/348/6237/899 (“Dynamic thinning of glaciers on the Southern Antarctic Peninsula”, Science Magazine, May 22, 2015)

6) http://diy.rootsaction.org/petitions/manifesto-on-the-future-of-war-and-climate-change (“Manifesto on the Future of War and Climate Change”, July 09, 2015)

“Amerikanischer Professor sucht in Koreas vergessenen Traditionen nach der Zukunft” (Deutsch)

“Amerikanischer Professor sucht in Koreas vergessenen Traditionen nach der Zukunft”

17.06.2013

Emanuel Pastreich, der in Seoul unter dem koreanischen Namen Lee Man-yeol bekannt ist, lebt seit mehr als sechs Jahren in Korea. Er ist Professor an der Hochschule für internationale Studien der Kyung Hee University und Gründer des Asieninstituts. Pastreich begann seine Asienstudien am Yale College und setzte seine Ausbildung an der Harvard University, der University of Tokio und der Seoul National University fort. Er entwickelte eine bemerkenswerte Zuneigung für die koreanische Kultur, als er vergleichenden Studien durchführte, und übersetzte kürzlich die Kurzgeschichten des Intellektuellen und Romanautors Park Ji-won (1737-1805) ins Englische.

Pastreich hat eine Leidenschaft für die Kultur und Literatur der Joseon-Dynastie (1392-1910) – eine Ära, die, wie er denkt, von den Koreanern, die sich kopfüber in die Modernität stürzten, unterschätzt wurde. Er schreibt nun ein neues Buch, in dem er darüber spricht, wie die traditionelle koreanische Kultur eine Rolle in der modernen Gesellschaft spielte. Das Buch mit dem Titel „Ein anderes Korea“ präsentiert außer Acht gelassene Aspekte von Korea, die seiner Ansicht nach relevant für moderne Probleme sind. Das Buch wird im Juli 2013 auf Koreanisch herauskommen.

Ich habe mit dem blauäugigen Amerikaner in seinem Seouler Stammcafé gesprochen, mit jemandem, der besser ein “Kosmopolit des 21. Jahrhunderts“ genannt werden sollte. Dieser Brillenträger, der auf die 50 zugeht, unterrichtete mich in fließendem Koreanisch über seine Ansichten zu Erzählungen aus der Joseon-Zeit, mit denen die meisten Koreaner nicht vertraut sind, nicht zu vergessen chinesische vormoderne Erzählungen wie „Die Pflaume in der goldenen Vase“ (Jin Ping Mei) und „Der Traum der Roten Kammer“ (Hóng Lóu Mèng) sowie japanische Erzählungen wie die des Yomihon-Genres aus der Edo-Zeit (1603-1867). In dem Gespräch stellte er sein breites Wissen über die koreanische Tradition unter Beweis, das vom Gedankengut und der Literatur der Joseon-Dynastie bis zu Themen der zeitgenössischen koreanischen Gesellschaft reichte. Read more of this post